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Interview: SORMAS

„Unterstützung bei der Entwicklung jederzeit willkommen“

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© HZI
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Seit 2017 verantwortet die vitagroup die Entwicklung der Software SORMAS, die Abstimmung von Schnittstellen mit anderen Systemen und unterstützt im Support der Anwendung. Seit Januar 2021 betreut das vitagroup-Team auch den Entwicklungs-Twitter-Account für externe Beitragende und berichtet dort über die Fortschritte in der Programmierung. So sind Beitragende stets über aktuelle Prozesse informiert. Im Interview spricht Markus Mann, technischer Projektleiter für SORMAS der vitagroup, über die Entwicklungsarbeit, warum SORMAS als Open-Source-Projekt verfügbar ist und über Partnerschaften und Unterstützung bei der Programmierung des Epidemie-Management-Systems
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Bild von Markus Mann
Markus Mann, technischer Projektleiter SORMAS der vitagroup © vitagroup
Hallo Markus, herzlichen Dank, dass Du Dir Zeit für dieses Gespräch genommen hast.

Sehr gern! Ich freue mich, über die Entwicklungsarbeit der vitagroup zu SORMAS berichten zu können.

Markus, kürzlich war in den Medien zu lesen, dass die Hochschule Heilbronn (HNN) bei der Programmierung von SORMAS unterstützt hat. Ist das korrekt?

Das ist richtig. Die HNN hat für SORMAS ein Feature entwickelt, das die Anwender dazu auffordert nach der Erstinstallation Nutzerkonten und Passwörter zu ändern, wenn die Standardbenutzer aktiviert worden sind. Mit der Aktivierung der Standardnutzer kann man nach der SORMAS Installation sehr einfach die unterschiedlichen Rollen testen. Dennoch sollten auch hierbei die Passwörter geändert werden. Daran erinnert das von der HNN entwickelte Feature.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Durch den Einsatz in den deutschen Gesundheitsämtern zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist SORMAS in den Medien sehr präsent. SORMAS ist ein Open Source Projekt – der Quellcode ist auf GitHub öffentlich verfügbar. Die HNN hat demnach eigeninitiativ ein Feature zur Verbesserung der Sicherheit von SORMAS entwickelt, das wir dann integriert haben.

Über GitHub kann man Euch also live bei der Arbeit zusehen und den Code nutzen? Warum habt ihr Euch dafür entschieden, den SORMAS-Code öffentlich und frei verfügbar zu machen.
Genau. Jeder kann den Quellcode einsehen und SORMAS nutzen. Und das ist beabsichtigt, aus mehreren Gründen:

SORMAS wurde ursprünglich entwickelt, um in allen Ländern weltweit die Nutzung zu ermöglichen, denn das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung steht dafür ein, dass Gesundheit ein Recht für alle ist. Open Source bedeutet: Es fallen keinerlei Lizenzgebühren an. Jeder kann und soll die Technologie nutzen und einsetzen. 

Zum anderen entspricht es der Philosophie der vitagroup, offene Systeme zu schaffen. Also Systeme, die nicht proprietär abgeschottet nur für sich existieren und funktionieren, sondern mit anderen Programmen und Systemen interoperabel kommunizieren können. Nur so können aus den erhobenen Daten Informationen werden. Und nur so können wir mit E-Health einen echten Mehrwert für eine bessere Gesundheitsversorgung schaffen.

Und: Open Source hat einen weiteren entscheidenden Vorteil. Über Communities können andere Programmierer und IT-Experten eigenständig mitentwickeln und zuliefern – wie nun eben bei der HNN geschehen.

Das heißt, jeder ist willkommen, Euch bei der Entwicklungsarbeit bei SORMAS zu unterstützen?
Das ist richtig. Wir arbeiten bei der vitagroup mit einem 30-köpfigen Team aus Entwicklern, Softwarespezialisten und technischen Projektmanagern Tag für Tag an der Weiterentwicklung und Verbesserung von SORMAS. Dennoch ist SORMAS ein System, das stetig reift und auf die jeweiligen Anforderungen und Gegebenheiten angepasst wird – national wie auch international. Daher freuen wir uns immer über zielführende Ideen und Mitarbeit. Unterstützung ist jederzeit herzlich willkommen!

Neben den Experten um Prof. Dr.-Ing. Andreas Mayer von der Hochschule Heilbronn – kannst Du uns weitere Beispiele für die erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Entwicklung von SORMAS nennen?
SORMAS wird ja nicht nur in Deutschland, sondern international eingesetzt. In einigen Ländern Afrikas, wie Nigeria oder Ghana, ist SORMAS bereits seit vielen Jahren zur frühzeitigen Erkennung und Eindämmung von Epidemien, wie etwa dem Ausbruch der Affenpocken-Epidemie im November 2017 in Nigeria, im Einsatz. In diesen Ländern können wir auf langjährige erfolgreiche Partnerschaften und große Unterstützung zurückblicken.

Auch in Frankreich beispielsweise gibt es ein eigenes Entwicklerteam, das Pull-Requests für Features und Weiterentwicklungen liefert. Diese werden in erster Linie für SORMAS Frankreich entwickelt – werden aber, wenn sinnvoll, natürlich auch international genutzt werden. In der Schweiz beispielsweise unterstützt uns das Swiss Tropical and Public Health Institute (THP). Ebenfalls eine sehr erfolgreiche und produktive Zusammenarbeit.

Wenn nun jemand Interesse hat, Euch bei der Entwicklung von SORMAS zu unterstützen – wie funktioniert das genau?
Der Quellcode ist über GitHub verfügbar. In den Contributing Guidelines ist genau beschrieben, wie man unterstützen kann, welche Anforderungen und Kriterien erfüllt sein müssen, um bei der Entwicklung von SORMAS mitzuwirken. 

Das heißt: Man hat eine Idee, programmiert, schickt Euch die Arbeit und wird so Teil des SORMAS-Entwicklerteams?
Kurz gesagt funktioniert das so. Wir begutachten dann die Arbeit. Wir prüfen die Sinnhaftigkeit der Idee, den Code, und die Arbeit im Hinblick auf Datensicherheit und Datenschutz. Manchmal werden auf unsere Anregung hin noch Nachbesserungen vorgenommen. Wenn das Feature oder die Erweiterung sinnvoll ist und unseren Anforderungen entspricht, wird es in SORMAS übernommen. Kleinere Erweiterungen oder Bugfixes übernehmen wir direkt. Bei weitreichenderen Anpassungen und Features entscheidet das Team um Prof. Dr. Gérald Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) als Projektleiter von SORMAS, ob die Anwendung zum Einsatz kommt.

Aus Deiner langjährigen Erfahrung als technischer Projektleiter von SORMAS – gibt es noch etwas, das Du unseren Lesern und Usern gern mitgeben möchtest?
SORMAS zeigt erneut, dass E-Health und die Digitalisierung im Gesundheitswesen – neben anderen Faktoren – ein Eckpfeiler für die besseren Gesundheitsversorgung der Zukunft ist. Wir müssen dahinkommen, die technologischen Möglichkeiten und Mehrwerte, die uns E-Health eröffnet, bestmöglich zu nutzen. Und zwar interoperabel, unabhängig von proprietären Systemen und offen für alle. Nur so können wir Gesundheitsprävention und die Verbesserung unseres bestehenden Gesundheitssystems bestmöglich gewährleisten. Und Krankheitsausbrüche, wie die Covid-19-Pandemie, frühzeitig und schnell in den Griff bekommen.

Herzlichen Dank Markus, für den Einblick in die Arbeit der vitagroup bei der Entwicklung von SORMAS!

Über SORMAS

SORMAS, das Epidemie-Management-System des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung Braunschweig (HZI) wurde vom HZI gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut und anderen Partnern entwickelt, ursprünglich, um in strukturschwachen Regionen Infektionen wirksam überwachen und managen zu können. Die Software stammt von der vitagroup. Bereits seit 2017 verantwortet die vitagroup die Entwicklung der Software SORMAS, die Abstimmung von Schnittstellen mit anderen Systemen und unterstützt im Support der Anwendung. Die Netzlink Informationstechnik GmbH liefert Software as a Service, ist der Managed Service Betreiber und Ansprechpartner für technische Fragen. Die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf führt gemeinsam mit dem HZI die SORMAS-Schulungen durch, betreut die Hotline, entwickelt Schulungsmaterialien und unterstützt, berät und begleitet die Gesundheitsämter bei der Implementierung und Anwendung von SORMAS.

Mehr über SORMAS erfahren Sie auf den Seiten des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung Braunschweig:

SORMAS-ÖGD

SORMAS international