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SORMAS bekämpft Affenpocken-Epidemie in Nigeria

Mit einer innovativen technologischen Lösung Epidemien in Afrika verhindern und eindämmen: Das verspricht das Epidemie-Management-System SORMAS. Ursprünglich aufgrund des Ebola-Ausbruchs ins Leben gerufen, bekämpfte es die Affenpocken in Nigeria – mit Erfolg. 

SORMAS steht für: Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System. Es ist ein System, das die Entstehung und Ausbreitung von Seuchen verhindern und eindämmen soll. Mithilfe von SORMAS können Infizierte schneller identifiziert und alle beteiligten Gesundheitseinrichtungen in Echtzeit informiert werden. 

Entwickelt haben SORMAS das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI), das African Field Epidemiology Network (AFENET), das Nigeria Centre for Disease Control (NCDC) und die symeda GmbH. Die symeda GmbH ist der Experte für digitale Softwarelösungen im Gesundheitssektor und entwickelt und verbessert seit 2016 die Software von SORMAS in einer Open Source Version. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) fördern das Projekt. Doch wie funktioniert das neue Epidemie-Management-System genau?

Im Video: Die Entstehungsgeschichte von SORMAS und seine Chancen für Afrika.

So verhindert SORMAS Epidemien: ein Fallbeispiel

„39 Grad Körpertemperatur. Das ist nicht gut. Das muss ich melden.“ Dr. Adisa Okeke tastet die geschwollenen Lymphknoten der 17-jährigen Malaika ab. Nach der Untersuchung geht Dr. Okeke zu seinem Auto, nimmt sein Smartphone und startet die App von SORMAS. Er trägt Malaikas Daten ein: Fieber, geschwollene Lymphknoten, Hautausschlag. Verdacht auf Affenpocken. Klick auf „OK“ – „Die Daten wurden gespeichert.“, meldet die App. Er hat hier im Dorf zwar keine Internetverbindung, aber sobald er auf der nächsten Hauptstraße ist, hat er wieder Netz, dann werden die Daten automatisch in die Cloud von SORMAS geladen. „Daten übermittelt“, zeigt das Display kurze Zeit später.

Heute Morgen wurde Dr. Okeke beauftragt, Malaika zu untersuchen – eine Informantin aus dem Dorf hat den Verdacht auf Affenpocken über ihre SORMAS-App gemeldet. Auch sie ist ein wichtiger Teil des SORMAS-Netzwerks. Sie hat die SORMAS-App auf ihrem Smartphone und weiß, was sie machen muss, wenn jemand im Dorf typische Krankheitssymptome aufweist. 

Sind die Daten hochgeladen, können alle, die an der Bekämpfung der Epidemie beteiligt sind – wie Gesundheitsaufseher, Klinikmitarbeiter, Laborarbeiter, Epidemiologen –, Malaikas Daten sehen, sich miteinander vernetzen und epidemiologische Daten austauschen – auch regionale und nationale Behörden für Infektionsschutz. Die Informationen sind voll digitalisiert und können daher auch sofort international bereit gestellt werden, zum Beispiel der Weltgesundheitsorganisation. Ein weiteres Plus: SORMAS ist als Open Source Software frei im Internet (GitHub) zugänglich und garantiert Interoperabilität mit allen gängigen Systemen. 

Dr. Okeke weiß, dass nun die Überwachungssupervisoren die übermittelten Daten über die SORMAS Web-Anwendung auf ihren Desktop PC prüfen. Die Supervisoren haben eine entscheidende Funktion: Sie haben den Überblick über die Situation. Sie sehen die Standorte der Verdachts- oder Krankheitsfälle und zusammenfassende Statistiken – SORMAS erstellt das automatisch. 

Die Funktionen von SORMAS auf einen Blick

  • Benachrichtigung der Gesundheitseinrichtungen bei Verdachtsfällen
  • Echtzeit-Digitalisierung und Synchronisierung der Daten auf allen Ebenen
  • Mobile Offline-Funktion
  • Krankheitsüberwachung 
  • Alle Akteure haben Zugang zu den Daten 
  • Zuständigkeiten werden koordiniert
  • Epidemiologische Analysen für alle Verwaltungsebenen
  • Algorithmen erkennen Krankheitsausbrüche 
  • Betriebssystem Android: funktioniert auf Smartphones, Tablets und Desktop PCs
  • Interoperabilität mit allen gängigen Systemen
  • Open Source, auf GitHub zugänglich
  • Benutzerorientiertes Design

Malaika muss ins Krankenhaus – auch die Ärzte im Hospital sind über SORMAS vernetzt. Sie werden die 17-Jährige weiterbehandeln. Bestätigt das Labor den Verdacht auf Affenpocken, wird auch dies in SORMAS erfasst – und falls notwendig, weitere Maßnahmen eingeleitet, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. 

Im Video: So funktioniert SORMAS.

Der Workflow von SORMAS

Eine Grafik, die den Workflow von Sormas zeigt, | © Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI)

Der Workflow von SORMAS ist in drei Abschnitte eingeteilt: 

  • Schritt 1 – mögliche Krankheitsfälle erkennen und Daten sammeln 
    Über verschiedene Kanäle – Bürgertelefon, Mediziner oder Krankenhäuser – gelangen Informationen über Verdachtsfälle in das System von SORMAS.
  • Schritt 2 – Validierung 
    Überwachungs-Officer und -Supervisoren überprüfen und analysieren die Daten und beauftragen bei Bedarf Personen, die für die Kontrolle zuständig sind. 
  • Schritt  3 – Kontrolle 
    Der Kranke ist identifiziert und wird behandelt. Bei Bedarf werden weitere Maßnahmen eingeleitet, um die Verbreitung des Virus zu unterbinden. 
©  Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI)

Erfolgreicher Praxistest in Nigeria

Ursprünglich wurde SORMAS im Zuge der Ebola-Epidemie entwickelt. Der Grund: Das Virus konnte nicht ausreichend kontrolliert werden – die Datenlage über infizierte Personen war lückenhaft, die Kommunikation zwischen den Akteuren langwierig. 

Während einer Epidemie von Affenpocken im November 2017 in Nigeria konnte SORMAS seine Nützlichkeit unter Beweis stellen. Seit Oktober traten dort erstmalig Affenpocken auf und die Lage wurde unübersichtlich, weil die Zahl der betroffenen Landesteile zunahm. Das HZI wurde daher beauftragt, mit Hilfe von SORMAS die aktuelle Lage vor Ort einzuschätzen und aufzuklären. 

Innerhalb weniger Tage war SORMAS im Lagezentrum der Nationalen Seuchenschutzbehörde, den Laboren und den betroffenen Bezirken eingerichtet und die Datenlage verbesserte sich umgehend deutlich. „Die Vorteile von SORMAS waren umgehend sichtbar und dank SORMAS war es offensichtlich, welche Regionen am meisten betroffen waren und unsere Hilfe benötigten“, sagt Dr. Olawunmi Adeoye vom nigerianischen Zentrum für Krankheitskontrolle. Mittlerweile ist SORMAS nahezu in ganz Nigeria im Einsatz. Dr. Chikwe Ihekweazu, Direktor des Nigerianischen Zentrums für Seuchenbekämpfung ist von SORMAS überzeugt und hofft, es bald flächendeckend und dauerhaft – auch für Krankheiten wie Meningitis, das Lassa-Fieber, Masern oder Cholera – in ganz Westafrika einsetzen zu können. 

Im Video: Wie SORMAS die Affenpocken-Epidemie eindämmte.

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Verfechter offener Standards, Vordenker beim Thema Patientenbeteiligung, Experte für Interoperabilität und eHealth-Überzeugungstäter: Dr. Nils Hellrung beschäftigt sich seit vielen Jahren mit digitalen Strategien und Lösungen im Gesundheitswesen. 2009 promovierte er zum Thema Digital gestützte vernetzte Versorgung an der TU Braunschweig und gründete noch im selben Jahr die symeda GmbH – die er erfolgreich im Gesundheitsmarkt etablierte. Der studierte Wirtschaftsingenieur und Medizininformatiker ist Mitglied im Beirat eHealth.Niedersachsen und Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen. Seit Anfang 2018 verantwortet Dr. Hellrung den Health Care Professional Cluster bei der vitagroup.

Bilder: © iStock; Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH (HZI)

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