Innovationsfondsprojekt ACHT ist gestartet

ACHT – das Innovationsfondsprojekt zur besseren Nachsorge nach einer bariatrischen Operation ist gestartet. Mithilfe von CASEPLUS – die Plattform für die vernetzte Gesundheitsversorgung der symeda, einem Unternehmen der vitagroup – soll die Versorgung adipöser Menschen nach einer Operation gestärkt werden.

Das Innovationsprojekt ACHT

Der Innovationsausschuss des GBA fördert das Projekt „ACHT – Adipositas Care & Health Therapy" zur Nachsorge nach einer chirurgischen Adipositasbehandlung, der so genannten bariatrisch-metabolischen Operation, mit einem Projektbudget von etwa 4,6 Millionen Euro. Das Konsortium um die Deutsche Stiftung für chronisch Kranke (Konsortialführung) und das Interdisziplinäre Adipositaszentrum des Universitätsklinikums Würzburg (medizinische Leitung) hat es sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit Adipositas-Zentren und niedergelassenen Haus- und Fachärzten eine strukturierte, disziplinen- und sektorenübergreifende Nachsorge für Patienten nach einer bariatrisch-metabolischen Operation in Bayern zu etablieren. Die Vernetzung zwischen Patienten, Zentren und niedergelassenen Ärzten wird über die Vernetzungsplattform CASEPLUS und der darauf basierenden digitalen Fallakte, entwickelt und betreut von der symeda, einem Unternehmen der vitagroup, erfolgen. Anfang Juli trafen sich alle beteiligten Partner zum offiziellen Kick-off in München.

Adipositas in Deutschland

In Deutschland ist jeder zweite Erwachsene übergewichtig, jeder vierte adipös. Betroffene leiden sowohl körperlich als auch psychisch unter der chronischen Erkrankung. Durch Adipositas erhöht sich das Risiko an weiteren Erkrankungen, wie Herzinsuffizienz, Diabetes oder Krebs, zu erkranken erheblich. Neben den Einschränkungen für die Betroffenen sind die hohen Kosten der Folge- und Begleiterkrankungen eine Herausforderung für das Gesundheitssystem. Können durch eine konservative Behandlung die Therapieziele nicht erreicht werden, ist die bariatrische-metabolische Operation eine wirksame Behandlungsoption zur Therapie der höhergradigen Adipositas. Aktuell existieren verschiedene Operationstechniken, zum Beispiel der Magenbypass oder der Schlauchmagen. 

Herausforderung einer bariatrisch-metabolischen Operation

Die zentrale Herausforderung nach einer bariatrisch-metabolischen Operation besteht in der Notwendigkeit einer disziplinen- und sektorenübergreifenden langfristen Nachsorge und einer lebenslangen Betreuung. Diese soll den nachhaltigen Therapieerfolg sichern. Auch mögliche Komplikationen, Ernährungsprobleme oder Mangelzustände, zum Beispiel von Vitaminen oder Mineralstoffen, sind rechtzeitig zu identifizieren und zu behandeln. Da es noch keine strukturierten Nachsorgeprogramme nach bariatrisch-metabolischen Operationen gibt, erfolgt aktuell die Nachsorge der Betroffen meist durch die jeweiligen Adipositaszentren. „Es ist dringend notwendig, ein strukturiertes Nachsorgekonzept zu etablieren, das flächendeckend anwendbar ist und die lebenslange notwendige Nachsorge sicherstellt sowie mögliche Langzeitkomplikationen verhindert“ sagt Herr Prof. Dr. Martin Fassnacht vom Adipositaszentrum Würzburg und medizinischer Leiter von ACHT. Es bedarf daher neuer Versorgungskonzepte, die eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Nachsorge sicherstellen.

Die ACHT Versorgungsbausteine

ACHT ermöglicht erstmals eine strukturierte, wohnortnahe postoperative Betreuung bariatrischer Patienten außerhalb der Adipositaszentren. Dazu arbeiten die Zentren mit spezifisch geschulten niedergelassenen Ärzten eng zusammen. Die Schulung der Praxen erfolgt über eigens für ACHT entwickelte E-Learning-Konzepte. Eines der innovativen Elemente sind die Adipositas-Lotsen. Dr. Bettina Zippel-Schultz von der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke: „Die persönliche und individuelle Betreuung durch die Adipositas-Lotsen ermöglicht zum einen eine gute Koordination der Nachsorgeprozesse. Zum anderen werden die Adipositas-Lotsen die Therapietreue der Patienten voraussichtlich weiter verbessern und dadurch den Therapieerfolg positiv beeinflussen. Dies hat sich bereits in anderen Projekten bestätigt.“ Die Vernetzung der beteiligten Akteure und das Monitoring des Therapieerfolgs erfolgen durch eine webbasierte, interoperable Fallakte, die für den Patienten als App zur Verfügung steht. Die interoperable Fallakte wird von der symeda, einem Unternehmen der vitagroup, entwickelt und betreut. Das Konzept des Projektes setzt sich insgesamt aus acht Bausteinen zusammen. Diese greifen ineinander mit dem Ziel, sowohl den langfristigen Therapieerfolg zu sichern als auch die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

© Deutsche Stiftung für chronisch KrankeDie Versorgungsbausteine von ACHT mit Lösungen der symeda. 

Das Ziel: die Regelversorgung

Das Projekt startete jetzt mit einem gemeinsamen Kick-off aller Partner und wird über dreieinhalb Jahre durchgeführt. Um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu prüfen, erfolgt eine projektbegleitende Evaluation durch das Helmholtz-Zentrum München. Im Anschluss sollen die Elemente des Versorgungskonzeptes bei positiver Evaluierung möglichst ohne Unterbrechung in die Regelversorgung überführt werden. 

In dem Konsortium arbeiten die Deutsche Stiftung für chronisch Kranke, das Universitätsklinikum Würzburg, das Helmholtz Zentrum München, die AOK Bayern – Die Gesundheitskasse, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, die symeda, ein Unternehmen der vitagroup, sowie die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zusammen. Neben dem Würzburger Zentrum bilden sieben weitere bayerische Adipositas-Zentren die Kernstruktur von ACHT und sichern zukünftig gemeinsam mit spezialisierten Partnerpraxen die Nachsorge der Patienten: Klinikum Memmingen, München-Bogenhausen, Schön Klinik Nürnberg Fürth, Wolfartklinik München-Gräfelfing, RoMed Klinik Bad Aibling, Klinikum Nürnberg Nord, Klinik der Stadt Passau. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft e. V., der Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner e. V., die AdipositasHilfe Deutschland e.V., der Berufsverband Oecotrophologie, der Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. und die Johnson & Johnson MEDICAL GmbH unterstützen ACHT mit Ihrer Expertise im Expertenbeirat. Erste bei der AOK Bayern versicherte Patienten sollen im Januar 2020 aufgenommen werden. Ergebnisse der Evaluation werden Ende 2022 erwartet.
 

Bilder: © iStock

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