Adipositas: Operation und Nachsorge

Eine Magenoperation – für krankhaft überwichtige Menschen ist sie oft die letzte Chance auf ein besseres Leben. Doch das Nachsorgesystem bei Adipositas-Operationen hat Defizite. Das Innovationsfond-Projekt „Adipositas Care and Health Therapy“ (ACHT) soll die Nachsorge nach einer Adipositas-Operation verbessern. ACHT basiert auf dem digitalen Fallmanagement CASEPLUS, einem Produkt der vitagroup.

Eine Operation – meist wird ein Magen-Bypass gelegt – ist für Menschen mit krankhaftem Übergewicht oft die letzte Hoffnung. Nicht nur das Wohlbefinden leidet – Fettleibigkeit birgt auch zahlreiche gesundheitliche Gefahren: Menschen mit Adipositas haben unter anderem ein wesentlich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Viele Übergewichtige leiden unter Diabetes Typ 2. Vor allem stark adipöse Personen schaffen es mit Diäten und Sport nur extrem selten, ihr Gewicht dauerhaft zu reduzieren.

Eine Operation hingegen zeigt nachhaltig guten Erfolg, vor allem was Langzeitüberleben und Lebensqualität betrifft. Viele Patienten erreichen nach einer Adipositas-Operation (auch bariatrische Operation) eine Ernährungsumstellung und damit eine nachhaltige Gewichtsabnahme. Bei einer Befragung der IKK Südwest gaben 86 Prozent der Post-Operierten an, dass ihr Gewicht seit mehr als einem Jahr nach dem Eingriff stabil sei. Fast alle Betroffenen würden sich der Operation wieder unterziehen.1

Für wen ist eine Adipositas-Operation geeignet?

Die S3-Leitlinie „Chirurgische Therapie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ empfiehlt eine Operation für folgende Betroffene:

  • Menschen mit einem „Body Mass Index“ (BMI) über oder gleich 50, 
  • Menschen mit einem BMI von 40 und höher, die gleichzeitig an einem Typ-2-Diabetes leiden.

Entsprechend der Empfehlungen der Leitlinien übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen bei oben genannten Voraussetzungen die Kosten für die Operation.

OP allein reicht nicht – eine gute Nachsorge ist entscheidend

Dennoch, eine Operation allein reicht nicht, um langfristige Erfolge zu erzielen. Betroffene benötigen nach einer Adipositas-Operation eine gute Nachsorge – meist ein Leben lang. Studien belegen, dass Patienten mit regelmäßiger Nachsorge nach einem Magen-Bypass sehr viel mehr Gewicht verlieren als solche, die die Nachsorge vernachlässigen.2

Eine gute Nachsorge bedeutet nicht nur, eine Ernährungstherapie, bei der die Gewichtsabnahme kontrolliert, Mangelerscheinungen ausgeglichen und Ernährungsberatung angeboten wird. Beispielsweise ist auch eine psychologische und verhaltenstherapeutische Betreuung der Betroffenen ist wichtig. Denn Fettleibigkeit geht häufig auch mit psychischen Beeinträchtigungen wie Depression, Essstörung und Motivationsproblemen einher. Bestehende Erkrankungen, wie etwa Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen nach der OP engmaschig überwacht, Verhalten und Medikamente angepasst werden.

Die Nachsorge ist also essenziell für den langfristigen Erfolg der Operation. Die Krux dabei: Derzeit existiert in Deutschland kein allgemein anerkanntes Nachsorgeschema bei Adipositaschirugie. Jedes Zentrum entwickelt sein eigenes Programm. Darüber hinaus sind viele Ärzte und Gesundheitsexperten an der Nachsorge und Betreuung des Patienten beteiligt – vom Chirurgen über den Hausarzt und Facharzt bis hin zum Ernährungsberater. Im Optimalfall sind diese eng miteinander vernetzt. Ein Beispiel: Verordnet der Diabetologe ein Medikament, sollten alle anderen Akteure in Echtzeit über die Anpassung der Medikation informiert sein. Erhebt der Hausarzt die Blutwerte des Patienten, sollten diese auch den anderen Medizinern sofort zur Verfügung stehen. Dies wäre der Optimalfall – die Realität sieht jedoch oft anders aus. Patientenakten werden noch immer auf dem Postweg versandt, Befunde mit zum Teil starker zeitlicher Verzögerung weitergegeben.

Nicht zuletzt ist die Mitwirkung des Patienten von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg. Auch hier gibt es Hürden, die in Zukunft überwunden werden sollten. Muss der Betroffene beispielsweise regelmäßig weite Strecken zu den verschiedenen Nachsorgeuntersuchungen fahren, kann das seine Bereitschaft beeinträchtigen, die Termine wahrzunehmen.

Projekt ACHT für zur besseren Nachsorge

Wie die Nachsorgesituation nach einer Adipositas-Operation in Deutschland derzeit tatsächlich aussieht, welche Lücken es zu schließen gilt und wie Patienten eine bestmögliche und effiziente Nachsorge ermöglicht werden kann – damit beschäftigt sich das Innovationsfonds-Projekt „Adipositas Care and Health Therapy“ (ACHT) der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke. Im Fokus steht die ambulante Nachsorge bei adipösen Patienten nach bariatrischen Operationen zu verbessern.

Ein Schwerpunkt von ACHT ist die sektorenübergreifende Kooperation von Praxen und Klinik – unter anderem durch den Einsatz der elektronischen Patientenakte. Sie ist Teil des digitalen Fallmanagements CASEPLUS, auf der ACHT basiert. Insgesamt nehmen sieben bayerische Adipositas-Zentren an dem Projekt teil. Mit dabei sind zum Beispiel die Kliniken München-Bogenhausen, Passau oder das Universitätsklinikum Würzburg, das die medizinische Leitung hat. Beteiligt sind auch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Kassenärztliche Vereinigung Bayern und die AOK Bayern. Zuständig für die technischen Lösungen und die Software ist die vitagroup.

Mit an Bord sind auch das Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen und das Helmholtz Zentrum München, die die Evaluation durchführen. 

Presseinformation der IKK Südwest: Kleinerer Magen, größere Lebensqualität Immer mehr Magen-OPs: IKK Südwest checkt Nachhaltigkeit, 5. September 2018.
Ärzte Zeitung: Adipositas. OP erfordert lebenslange Nachsorge, 20.01.2016.

Bilder: © iStock

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